Kennst du das auch? Du wachst morgens auf und bist sofort hellwach, weil sich deine Gedanken im Kopf um all die Aufgaben drehen, die du an diesem Tag erledigen musst. Vielleicht greifst du sogar zu Papier und Stift, um schnell alles zu notieren, damit du ja nichts vergisst! So ausgerüstet, machst du dich sofort eifrig an die Aufgaben und stellst fest, dass du eigentlich mal wieder dein Zimmer aufräumen könntest. Also entrümpelst du deine Schränke gründlich, räumst die zahlreichen Kleiderhäufchen vom Boden weg und wischt sogar ganz oben auf dem Schrank Staub. Als du damit fertig bist, schaust du dich zufrieden um. Mit einem besorgten Blick auf die Uhr nimmst du dir fest vor, nun endlich deine Liste mit den Aufgaben abzuarbeiten. Doch plötzlich fällt dir noch etwas absolut lebenswichtiges ein…
Mir ist dieses Szenario sehr gut bekannt, vor allem immer dann, wenn ich für die Uni ein Referat ausarbeiten muss, ein Termin für die Abgabe einer Hausarbeit bedenklich nahe rückt oder irgendeine Klausur ansteht. Plötzlich verspüre ich den starken Drang, Dinge zu erledigen, für die sonst komischerweise?! - nie Zeit habe. Manchmal ist das sogar in meiner Beziehung zu Gott so. Ich nehme mir beispielsweise fest vor, am nächsten Morgen 20Minuten eher aufzustehen, um den Tag in Ruhe mit Gott zu beginnen. Das geht anfangs gut, ich stehe motiviert um 6:30Uhr auf, setzte mich an den Küchentisch, nehme die Bibel zur Hand, will gerade mit Lesen beginnen, als ich aus den Augenwinkeln die Schlagzeile der Zeitung wahrnehme. „Nur mal schnell überfliegen“, denke ich mir und vertrödele die kostbaren 20Minuten mit Politik oder Klatschgeschichten aus aller Welt.
In der Bibel gibt es viele Geschichten von Menschen, die ihre Zeit mit Unwichtigkeiten vertrödelt haben. Gerade ist Ostern vorbei. Sicher haben wir nicht nur von der Kreuzigung gehört, sondern auch von den Jünger, die im Garten Gethsemane eingeschlafen sind, als Jesus sie und ihre Gebete wirklich brauchte. Wir können das in Markus 14, 32-42 nachlesen. Als Jesus vom Gebet mit dem Vater wiederkommt, sieht er wie Petrus, Johannes und Jakobus schlafen „Traurig weckte er Petrus: ,Simon!‘ rief er, ,schläfst du? Kannst du denn nicht eine einzige Stunde mit mir wachen? Bleibt wach und betet […]. Ich weiß, ihr wollte das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen.‘ “ Bei Luther lautet der letzte Satz: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“. Wie oft haben wir das schon gehört, und wie oft haben wir das schon erlebt?! In einer meiner Bibeln habe ich etwas Interessantes entdeckt. Am Rand stehen Querverweise und Anmerkungen. Neben diesen Versen in Markus 14 gibt es viele Stichwörter. Ganz oben steht fett am Rand „Menschliches Versagen“. Weiter unten stehen dünn gedruckt und fast übersehbar „Göttliches Mitleid“ und „Erbarmen Jesu“.
Ist es in unserem Leben oft nicht genauso? Wenn wir in unserer Beziehung zu Gott „versagen“, wenn wir unsere Zeit mit belanglosem Zeug vertrödeln und am nächsten Tag fluchend in der Klausur sitzen, dann ärgern wir uns über unsere Schwachheit. Wir ärgern uns und nicht selten ziehen uns solche fettgedruckten Stichwörter wie „Menschliches Versagen“ runter. Wir fühlen uns vor Jesus wie ein Trottel und haben ein schlechtes Gewissen. „Was soll Jesus mit einer Schnarchnase wie mir anfangen?“ denken wir frustriert und ziehen uns zurück.
Wie sieht Jesus das wohl? Wenn wir uns seine Reaktion in Bezug auf die schlafenden Jünger anschauen, dann sehen wir, dass er ganz anders reagiert als wir meinen. Sicher ist er enttäuscht und hält damit nicht hinter dem Berg. Aber dennoch versteht er die menschlichen Schwächen. „Ich weiß, dass ihr das Beste wollt“, sagt er zu den drei „Schnarchnasen“, „aber aus eigner Kraft könnt ihr es nicht erreichen“. Das ist das unglaublich Schöne an Jesus! Er misst mit anderen Maßstäben als wir. Da wo wir uns für unser Verhalten schämen und verzweifelt das Handtuch schmeißen, nimmt er uns an die Hand und führt uns. Auch wenn wir wiederholt scheitern, hat er genügend Gnade und Geduld. Das hat er deutlich gemacht als die Jünger wiederholt einschliefen: „Die Augen waren ihnen zugefallen und sie wussten vor Müdigkeit nicht, was sie Jesus sagen sollten.“ (Markus 14, 40).
Ich wünsche jedem von uns, dass wir lernen mit unserem „Versagen“ umzugehen, dass wir lernen, nicht vor Gott wegzulaufen, sondern uns vom ihm bewusst verändern zu lassen.












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