Studentenabend in Berlin-Nikolassee (23. 10. 2004)

"Oh, Ihr habt Bier? Sehr gut!" - Es erwies sich als durchaus richtige Entscheidung,
verschiedene Sorten des (alkoholfreien) Gerstensafts in ausreichender Menge kalt zu stellen,
zumal Studentenabende oft in Kneipen stattfinden. Eine Kneipe freilich konnten wir nicht bieten,
aber anspruchsvolles Kino, ein reichhaltiges Büfett, eine auch für Studenten/Akademiker brauchbare
Leihbibliothek sowie aktuelles Infomaterial unterschiedlicher christlicher akademischer Einrichtungen.
Soviel zum Rahmen.
Leben wurde dem Abend aber weder durchs Büfett noch durchs Kino eingehaucht, sondern durch die rund 20
Teilnehmer, deren sympathische Aufgeschlossenheit ein völlig unkompliziertes Miteinander ermöglichte.

Mit von der Partie waren Adventisten, Christen anderer Konfessionen und - was ausgesprochen bereichernd
war! - Nichtchristen. 13 Fachrichtungen waren vertreten, von Wirtschaftsingenieurswesen bis Psychologie
und von Medizin bis Lateinamerikanistik. Sogar ein Dozent von der Humboldt-Universität, Experte für Antike
Kultur und Neues Testament, war unserer Einladung gefolgt, und obwohl ihm abzuspüren war, daß der gezeigte
Film "2001: Odyssee im Weltraum" den Sprung in seine persönliche Favoritenliste nicht schaffte, teilte er
am darauffolgenden Nachmittag per E-Mail mit, daß es ihm bei uns in der Palmzeile gut gefallen habe und
daß er gerne wieder komme. Andere hingegen hatten sehr zu ihrem Bedauern absagen müssen, so z. B. eine
nichtadventistische Studentin, die an jenem Samstagabend ein wichtiges Punktspiel mit ihrer
Eishockeymannschaft zu bestreiten hatte. Immerhin: sie haben gewonnen!
Was nun den legendären Kubrick-Film betrifft, so spaltet er in der Tat die Gemüter.
Man kann ihn lieben oder auch hassen, doch eines steht außer Frage:
Der Film ist ein Meilenstein der Filmgeschichte, ein Stück Allgemeinbildung,
ein einzigartiges, beinahe zeitloses filmisches Kunstwerk mit beeindruckenden Bildern und
hohem intellektuellem Anspruch, ideale Grundlage also für einen interessanten interdisziplinären
Gedankenaustausch. Erleichtert wurde uns der Zugang zum Film durch eine kurze Einführung durch
eine Medienwissenschaftsstudentin, der wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für ihr
Engagement danken möchten!

Natürlich sollte man weder überrascht noch schockiert sein, wenn während des sich dem
Film anschließenden Gesprächs einige ungewohnte, teils sachdienliche, teils erheiternde
Anmerkungen gemacht wurden, wie: "Ich habe den Film einmal mit Drogen und einmal ohne Drogen
gesehen. Ohne Drogen kommt er aber besser." oder "Ich kenne mich mit Nietzsche gut aus, kann
aber im Film keine eindeutigen Bezüge erkennen." oder "Vielleicht stellen wir Christen uns den
Himmel viel zu spießig vor und merken gar nicht, wie das eigentliche Leben an uns vorbeirauscht."
oder einfach "Boah, geil! Ich kann noch gar nix sagen, ich bin noch völlig überwältigt!"
Ja, zeitweilig flammte schon etwas Uni-Atmosphäre auf, etwa wenn innerhalb nur weniger Augenblicke
ein wilder Ritt durch Farbenlehre und Kunstgeschichte, durch Theologie, Philosophie, Naturwissenschaft
und Psychologie veranstaltet wurde. "Willkommen unter Studenten und Akademikern!", so könnte man sagen.
Wie viel Potential steckt da drin, wie viele Ideen, wie viele Fragen, wie viel Neugier, wie viel Lebensfreude!
Können wir als Adventisten damit umgehen? Wir sollten es, denn sonst entgeht uns einiges.
Daß sich verhältnismäßig wenige adventistische Studenten blicken ließen, sei nur am Rande erwähnt.
Wo waren sie? Der Abend war bereits seit langem angekündigt.

Nach 6 Stunden, gegen 23.00 Uhr, verabschiedeten sich die letzten Gäste mit Büfett-Resten und
Leihbüchern unterm Arm in die milde Herbstnacht - ein Spaziergang am nahegelegenen Schlachtensee
lockte. Ob es weitere Studentenabende in Nikolassee geben wird? Vermutlich. Bei Gelegenheit. Nicht
aber ohne jene Leute, die einem solchen Abend auf unnachahmliche Weise Farbe zu verleihen vermögen.
Präsenz ist gefragt, Offenheit, Interesse, Engagement, nicht ein müdes "Mal sehen, vielleicht". Für
das angenehme Drumherum werden wir Nikolasseer schon sorgen.
Unser Dank gilt allen, die dabei waren und sich eingebracht haben, insbesondere "Chrissy"
und Klaus Schmitz, Vorsitzender des Adventistischen Wissenschaftlichen Arbeitskreises (AWA),
den man für ein solches Unternehmen einfach braucht. Auch unsere Vereinigungsleitung soll nicht
unerwähnt bleiben, die das Projekt finanziell unterstützte.